Ein deutscher Football-Blog

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Donnerstag, 3. Februar 2011

Option Football - The Dawn Of The Dead


"The option is dead!"
Diesen Ausspruch hörte man viele Jahre. Begonnen hat alles mit der Niederlage von Nebraska gegen die Hurricanes im Rose Bowl im Jahre 2002. Und begraben hat die Sportberichterstattung den guten alten Option Football mit dem Ende der Ära Osborne/ Solich in Nebraska. (Randbemerkung: Frank Solich wurde gefeuert, weil er "nur" einen Record von 9-3 in der Saison 2002 vorweisen konnte, insgesamt war sein Record 58–19. Sein Nachfolger Bill Calahan konnte mit seiner Pro-Style Offense keinen besseren Record als 27-22 einfahren). Anfang dieses Jahrhunderts schien das Ende des Option Footballs gekommen zu sein, als sogar die Army Black Knights ihre Offense in Richtung Pro-Style Football veränderten (Randbemerkung: Mit der Pro-Offense konnte Army das erste Team in der NCAA Geschichte werden, dass eine Saison mit einem Record von 0-13 beendete). Als Ken Hatfield 2005 bei den Rice Owls kündigte blieben in der FBS nur noch zwei Old-School Option Teams übrig: Navy und Air Force. Natürlich wirkte sich die spärliche Nutzung der Option Offense auf dem höchsten College-Football-Niveau auch auf die High Schools aus. Große High Schools konzentrierten sich auf Pro-Style-Offenses, um ihren Schülern die Chancen auf Football-Stipendien zu vergrößern. Aber der Option Football starb nicht aus, er veränderte sich nur!


In der Saison 2010/11 gab es in der FBS (früher mal als Division 1A bekannt) vier "richtige" Triple-Option Teams: Army, Navy, Air Force und Georgia Tech (alle 4 Teams konnte ein Bowl-Game erreichen und beendet die Bowl-Saison 2-2). Neben den "True-Option"-Teams gibt es natürlich noch die unzähligen Spread-Option-Teams, wie Michigan, Oregon, West Virginia und natürlich auch Nevada mit ihrer Pistol Offense. Option Football ist zurück und erfolgreicher denn je! Auch in Deutschland kenne ich zumindest ein Team, das eine Option Offense spielt, die Assindia Cardinals. Vielleicht gibt es noch mehr Mannschaften, ich freu mich über jede Information.

Die Option Offense hat einige Vorteile gegenüber Pro-Style Offenses:
  • Man braucht keine großen, starken O-Liner! Bei einem Triple Option Play beispielsweise werden zwei D-Liner oder ein Linebacker (der End/ Outside Linebacker und ein Tackle) nicht geblockt.


  • Option-Football ist sehr lauflastig, d.h. man kontrolliert die Uhr und kann die gegnerische Defense zermürben.


  • Das Playbook muss nicht viele Spielzüge umfassen, schließlich sind Option Plays ein ganzes Set von 2 oder 3 Plays: Dive-Offtackle-Sweep!
Natürlich gibt es neben den Vorteilen auch einige Stoplersteine, die man beachten muss. Ich persönlich finde Option Plays sehr interessant und möchte auch ein paar Plays in mein Playbook einfügen, aber ich habe großen Respekt davor eine reine Option Offense zu coachen.

Die größten Bedenken lassen sich auf vier Punkte einkreisen:

  • Der Pitch

    Während die Hand-Arm-Technik des Pitches relativ einfach zu coachen ist, ist der Bewegungsablauf vom Snap zum Pitch relativ kompliziert. Ich bevorzuge den "Basketball"-Pitch gegenüber dem End-over-End-Flip. Der Pitch funktioniert im Grunde wie ein Brustpass beim Basketball: Man nimmt den Ball in beide Hände, beide Daumen zeigen nach oben und beim Pitch dreht man schnell die jeweilige Handfläche (links oder rechts) nach außen bis der Daumen nach unten zeigt. Die Beschleunigung des Balls entsteht allein durch den Flip des Handgelenks. Das probiert man ein paar Mal, dann funktioniert es, aber viel schwieriger ist die Koordination der restlichen Körperteile. Der Pitch sollte nicht im vollen Lauf passieren, der Pitcher muss sich setten und dann vor dem Pitch mit einen Schritt seine Hüfte zum Pitchman öffnen und das Sekundenbruchteile bevor er getackelt wird.


  • Die Reads

    Egal welches Option Play man spielt, das große Problem bleiben die Reads und die Entscheidungen. Innerhalb für 1-2 Schritten muss der Quarterback die Bewegungen einzelner Defense-Spieler erkennen, deren Bewegung bewerten und die richtige Entscheidung fällen. Für das Training bedeutet das Reps, Reps und Reps und dann das Ganze nochmal wiederholen. Also wer eine Option Offense spielen will muss sehr viel Trainingszeit auf die Ausbildung seiner Quarterbacks und Runningbacks verwenden und muss auch in der Vorbereitung zu den Spielen die Reads gegebenenfalls an die gegnerische Defense anpassen.


  • Das Blocking

    In einer Option-Offense müssen die O-Line zwar nicht groß und kräftig sein, aber beweglich und intelligent. Die O-Liner müssen schnell ins Second Level kommen und müssen in der Lage sein im Open Field Linebacker und Safeties zu blocken. Außerdem müssen sie je nach Defense Front die richtigen Verteidiger identifizieren, die ungeblockt bleiben sollen. Abgesehen von den Schemes unterscheidet sich auch die Art des Blockens von Pro-Style Offenses. Im Option Football werden viel mehr Cut-Blocks eingesetzt als in anderen Offenses. Man braucht die Cut-Blocks im offenen Feld, um der Defense die Pursuit Lanes wegzunehmen und um die Verteidiger im Pursuit langsamer zu machen, da sie sich gegen die tiefen Blocks nicht im vollen Sprint verteidigen können. Abgesehen davon muss jeder Spieler in der Offense blocken können, egal ob O-Liner oder Receiver.


  • Die Execution

    Option Football funktioniert nur mit Disziplin. Wie bei jeder Laufoffense sind Strafen tödlich. "Mental errors" müssen minimiert werden, damit die Offense läuft. Es gibt einfach wenig Spielraum für Improvisation, da die Spielzüge auf Timing und gemeinsamer Koordination aufgebaut sind. Option Plays beinhalten auch immer ein großen Maß an Täuschung, d.h. gute Fakes sind für das Gelingen unentbehrlich. Ich glaube, das ist auch die größte Herausforderung an ein Team: 11 Spieler, die zusammen 50-60 mal pro Spiel fehlerfrei agieren.



Wenn man diese vier Herausforderungen an das eigene Coaching meistern kann, dann muss es auch möglich sein in Deutschland eine ordentliche Option-Offense (egal ob aus der Spread, Flexbone oder Wishbone) aufs Feld zu stellen. Ich persönlich traue es mir nicht zu diese Offense zu installieren...noch nicht!

“At the end of the day, option football is option football. You either have the dive, the quarterback or the pitch.” Brian Smith Linebacker Notre Dame





Mehr zum Thema Option Football:

Option Football Forum
The Flex Option Offense - Blog
"Triple Option Means Triple Threat" von Scott Wachenheim

Dienstag, 2. Juni 2009

There is no "I" in team!

Langsam aber sicher scheint die Ära der reinen I-Formation zu Ende zu gehen. Immer mehr Teams stellen ihre Offense um und entdecken die Singleback- und Spread-Formations. Die NFL-Übertragungen in den 80er und 90er haben uns die I-Formation gebracht und die College-Spiele von ESPN-AMERICA (früher NASN) werden sie uns nehmen.





Ich war nie ein Fan der I-Formation. Zu viele Nachteile und eine zu hohe Anforderung an das Personal. Gerade für neue Teams mit vielen Rookies war die "I" eher ein Garant für Misserfolge als eine echte "Basis"-Offense. Die I-Formation mit seinen 2 Running Backs und 3 Receivern bietet eine Balance zwischen Run-Heavy und Pass-Happy, aber verlangt auch, dass man sehr gut werfen und laufen kann. Die Blocking Schemes sind kompliziert und aufwendig, gerade bei der Pass Protection. Mein größtes Problem mit der "I"-Formation ist aber die fehlende "Deception". Alles ist offensichtlich - der beste Running Back steht in einer Linie mit dem besten Blocker, der Number One Receiver steht außen etc. Die Defense kann sich sehr leicht auf das Personal einstellen und dann läuft es auf reine Athletik raus.
Aber nun scheint das Mindesthaltbarkeitsdatum der I-Formation abzulaufen.

Aber warum nur? Ich glaube, das Fernsehen ist schuld. Als wir nur NFL zu sehen bekommen haben, da waren wir mit 20-30 Punkten pro Spiel zufrieden, aber die Sooners, Longhorns und Red Raiders, die uns NASN zeigte, haben alles verändert. High Octane Offenses spielen nun mal keine I-Formation. Und so beginnt die Copy-Cat-Maschinerie - frei nach Hannibal Lector: Wir begehren! Und wie beginnen wir zu begehren? Indem wir etwas täglich sehen!
Ich glaube, wir befinden uns gerade am Anfang eines neuen Zeitalters. Letzte Saison hab ich unsere Defense gegen eine Standard-I-Formation gestellt (bevor ich die gegnerischen Teams das erste Mal gesehen hab), aber diese Saison habe ich für die Standard-Scout-Offense 50% Spread- und 50% I-Formation-Plays zusammengestellt. Von unseren 5 Gegner konnte ich bis jetzt 2 scouten und mein 50-50-Ansatz wurde bestätigt: ich sah einmal eine Standard-I-Formation und einmal eine Spread-Offense. Noch befinden wir uns am Anfang und es gibt ne Menge Teams, die Spread spielen, aber es leider nicht können. Quarterbacks, Receiver und auch Coaches müssen sich erst entwickeln, sie müssen lernen und sich verbessern.
Hier in meiner Region spielen die Bamberg Bears diese Saison zum ersten Mal eine Spread-Offense, konnten aber noch kein Spiel gewinnen. Natürlich kommen jetzt die kritischen Stimmen, die fragen ob es richtig war vom Power-Running zum Quick Passing zu wechseln. Ich sag: "Geben wir dem Coach und der Offense eine Chance und warten erst mal ab!"

Eine letzte Frage zum Schluss: Wie lange wird es wohl dauern bis man mit einer I-Formation zu einer Minderheit gehört?

Donnerstag, 16. April 2009

Wie wär's mit 6-Man-Football?

Im Verlauf einer netten E-Mail-Konversation mit Matthias Schmücker (Headcoach der Göttingen Generals) über unsere beiden Football-Teams und die normalen Probleme im Trainergeschäft wurde auch der 6-Man-Football angesprochen. Der 6-Man-Football - die Lösung vieler Probleme: 10 motivierte Leute pro Mannschaft und ein kleines Feld und schon kann man Football spielen. Wäre das nicht das perfekte Mittel damit Footballdeutschland auch in das letzte Kuhdorf am Ende der asphaltierten Straße expandieren kann?

Halt, nicht so schnell. Was ist 6-Man-Football? Wie funktioniert er? Und wo kommt er her?

Six-Man-Football kommt natürlich aus dem Mutterland des Footballs. 1934 hat ein Highschool Coach namens Stephen Epler aus Nebraska diese Art des Footballs eingeführt. Höchstwahrscheinlich hatte er einfach nicht genug Spieler, um mit 11 gegen 11 antreten zu können, also fand er einen Weg wie seine Jungs trotzdem spielen konnten. Wirklich populär wurde 6-Man-Football aber erst in Texas. Dieser riesige Flächenstaat hieß diese Variation 1938 willkommen und bereits im ersten Jahr starteten 55 Teams in den Spielbetrieb. Die Texaner lieben Football und durch den 6-Man-Football konnte jede Dorfschule ein Football-Team stellen, d.h. jede kleine Stadt hatte sein Football-Team, mit dem es sich identifizieren konnte. Immer mehr Schulen spielten 6-Man-Football, in den 1960ern waren es über 160. Trotz Landflucht und der allgemeinen Zunahme der Weltbevölkerung gibt es in Texas heutzutage immer noch ca. 110 Schulen, die 6-gegen-6 spielen. Außerdem spielen Highschools in Colorado, Montana, New Mexico, Nebraska und Kanada um die Ehre und State Championships. Ein weiterer Indikator für die Popularität des 6-Man-Footballs sind die beiden Erwachsenen-Verbände in Texas: die Texas Sixman Football Association und die Southeastern Christian Association of Sixman Football. Der bekannteste Spieler aus einer 6-Man-Football Highschool dürfte wohl Jack Pardee sein, der auch in der Hall of Fame der Texas 6-Man Coaches Association vertreten ist.

6-Man-Football hat natürlich Regelanpassungen gegenüber dem 11-gg-11-Football, aber die sind weit weniger gravierend als man denken mag. Man könnte die 6-Man-Regeln sehr leicht nach Footballdeutschland importieren, da die Highschools in Texas genau wie wir nach den NCAA-Regeln spielen. Die University Interscholastic League (UIL) hat alle Änderungen hier veröffentlicht. Trotzdem hier mal ein kleiner Überblick:
    • Das Feld ist kleiner: 80 Yards (100 Yards mit Endzonen) lang und 40 Yards breit.
    • Die Offense muss 15 Yards für ein First Down überbrücken.
    • Alle Spieler dürfen einen Vorwärtspass fangen.
    • Der 'Quarterback' muss den Ball abgeben oder passen, sonst darf der Ball die Line-Of-Scrimmage nicht überqueren.
    • Ein Fieldgoals ist 4 Punkte wert, ein Extra-Point-Kick 2 Punkte und eine PAT-Coversion via Run oder Pass ist 1 Punkt wert.
    • Beim Snap müssen 3 Spieler an der Line-Of-Scrimmage stehen.
    • Gespielt werden 4x10 Minuten mit 2 Minuten Pause zwischen den Quartern und 15 Minuten Halbzeitpause

  • Grundsätzlich ist 6-Man-Football ein sehr schnelles Spiel, indem viele Punkte fallen.(Hier kann man die Ergebnisse von 2008 in Texas anschauen, darunter beispielsweise Star 90 vs. Gustine 64) Es ist am ehesten vergleichbar mit 5-on-5-Flag Football, hinzukommen eben die physischen Komponenten Blocken und Tacklen.
    Ich hab schon seit einiger Zeit folgendes Buch zu diesem Thema auf meiner Amazon-Merkliste: Six-Man Football: A Coach's and Player's Guide with a History of Championship Teams von C. H. Underwood. Das wird bei meiner nächsten Bestellung auf jeden Fall geordert.

    Kommen wir zurück zum ersten Absatz - Warum denke ich, dass 6-Man-Football sehr gut in Footballdeutschland reinpasst? Aus zwei Gründen: Basisarbeit und Zuschauergewohnheit.
    Wie wäre es, wenn es in vielen 1000-5000 Einwohnerstädtchen ein Footballteam gebe? Mehr Footballspieler und vor allem mehr Footballaktivisten, d.h. mehr Leute, die Football ins gesellschaftliche Gespräch rücken. Mehr Leute, die Sponsoren suchen, Lokalzeitungen anschreiben und mehr lustige Beiträge im Lokalfernsehen. Wenn es in jedem Dorf ein Footballteam gibt, dann wird aus der Freakshow etwas Alltägliches. Mehr Spieler bedeuten auch mehr mögliche Zuschauer bei höherklassigen Begegnungen, denn wie in den meisten Sportarten sind viele Aktive auch gleichzeitig Fans. Warum sind der Schützen- und Turnerbund unter den Top-5-Spitzenverbänden in Deutschland und Football nur auf Platz 42 (von 60)? Nicht weil Sportschießen und die Turnerbundesliga zur Prime Time im Fernsehen kommen, sondern weil es überall Schützen- und Turnvereine gibt (und natürlich auch weil beide Sportverbände etwas mehr als 30 Jahre auf dem Buckel haben). Um Football vom Rand der deutschen Sportwelt zu holen, muss man ihn in die Mitte der Gesellschaft pflanzen und das funktioniert nicht durch Stärkung der Elite, sondern durch Erschließung einer bisher nicht bekannten Basis.

    Außerdem ist 6-Man-Football genau die Art von Football, die laut landläufiger Meinung, die unbedarften Zuschauer sehen wollen: Wide-Open-Big-Play-Football. 6-Man-Football ist ähnlich wie Basketball schell, aber übersichtlich. Ich glaube kaum, dass alle BBL-Fans die kompletten Regeln und Taktiken von Basketball kennen oder verstehen, aber das ist egal, denn man kann sich auch so begeistern. 6-Man-Football funktioniert ähnlich: Big-Plays und Big-Hits passieren oft und man kann sie jederzeit sehen. Egal ob man versteht, wie Football funktioniert oder nicht, die Dynamik reißt einen mit. Kann man die Leute begeistern, dann bleiben sie einem wahrscheinlich auch erhalten und dann setzen sie sich auch eher mit den Regeln auseinander.

    Ob wir in Deutschland jemals 6-Man-Football im Ligabetrieb spielen, hängt von einer Menge Faktoren ab: Zustimmung durch den Verband und die Schiedsrichtervereinigung, interessierte Teams und allgemeine Akzeptanz durch die Football-Gemeinschaft. Gedanken wie "Das ist kein richtiger Football!" müssen endlich raus aus den Köpfen. Die NFL hat zwar den Football in Deutschland geprägt, aber sie darf unsere Entwicklung nicht erdrücken. Vielleicht brauchen wir ein paar neue Ideen jenseits von TV-Formaten und PR-Beratern, um Football bekannter zu machen. Die Frage bleibt: Sind wir dafür bereit?

    Ein Zitat aus dem ESPN-Artikel (siehe unten):
    "Football is football," Campbell said. "Blocking. Tackling. If you have football instincts, you'll pick it up.

    Mehr zum Thema 6-Man-Football:
    sixmanfootball.com
    Texas 6-Man Coaches Association
    Six-man thrives in rural towns

    Mittwoch, 25. März 2009

    Wer importiert die "Wildcat" nach Footballdeutschland?

    Deutscher Football ist Copy-Cat Football.
    Ok, sind wir fair: Football lebt grundsätzlich vom Kopieren. Im Football wird selten etwas "erfunden", meistens werden Konzepte nur "gefunden" und übernommen. Egal wie innovativ etwas erscheint, in den meisten Fällen gab es so was schon mal, wurde vergessen und wieder entdeckt.
    Nehmen wir die hochmoderne Shotgun-Spread-Offense als Beispiel. Vor ein paar Jahren gab es einen Artikel über Texas Tech's Air-Raid-Offense mit dem Titel "Offense of the Future", jetzt scheint jedes College-Team Shotgun-Spread-Plays im Playbook zu haben. Also könnte man meinen:"Tja, Texas Tech hat es erfunden und alle anderen kopieren es." Nein, Mike Leach (Headcoach von Texas Tech) hat sich auch nur bei "alten" Systemen wie der Run-And-Shoot bedient. Also sind Tiger Ellison und Mouse Davis die Väter der modernen Spread-Offense? Oder haben sie nur die Ideen von TCU-Coach Dutch Meyer verfeinert. Dutch Meyer hat 1952 das Buch "Spread Formation Football" veröffentlicht. In seinem Werk beschreibt er seine Form von Single Wing Offense, die auch als TCU Spread bekannt ist. Aber schon vor 57 Jahren schreibt Dutch Meyer in seiner Einleitung: "Spread formations are not new to football."

    Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema: die "Wildcat" in Deutschland. Jedes, gute "Trickplay" wird gerne nachgemacht und die "Wildcat" war das Gimmick der NFL Saison 2008/2009. Man nehme einen Running Back und snappe ihm direkt den Ball zu und fertig ist die "Wildcat".Nein, ich möchte jetzt nicht die Geschichte der Wildcat "aufrollen", dass überlasse ich lieber Hugh Wyatt: Father Of The Wildcat.
    Das "Wildcat"-Konzept hat schon länger einen Fuß in der deutschen Tür (z.B. dürfte Kelvin Love in Braunschweig immer mal wieder hinter dem Center stehen), aber die breite Masse der Wald-und-Wiesen-Vereine ist noch nicht im "Wildcat-Fieber"...NOCH nicht! Ich werde diese Saison die Augen offen halten und nach den drei typischen Direct-Snap-Plays suchen:


    Wie sollte man also ein "Wildcat"-Package in seine Offense einbauen?
    Grundsätzlich sollte man überlegen, welche Direct Snap Formation man benutzen will -Spread oder Tight / Ein-Mann-Backfield oder Loaded Backfield. Dann muss man überlegen aus wie vielen Plays das Paket bestehen soll. Meiner Meinung nach sollten es mindestens die drei obigen Plays sein. Zusätzlich kann man noch ein Reverse oder Counter und schnelles Pass-Play (z.B. Bubble Screen oder Slant-Swing Kombination) einbauen. Man muss nur aufpassen, dass die "Wildcat" nicht zur Base-Offense wird...fragt die Göttingen Generals, wie Footballdeutschland über ein Single Wing Team denkt. Nimmt man allerdings zu wenige Spielzüge oder nur einen, dann gibt man der gegnerischen Defense eine schöne Tendenz und die "Wildcat" verliert ihren Schrecken.

    Ein guter Start in die "Wildcat" ist das Studium einiger (erschwinglicher) Direct-Snap-Standardwerke:
    Coaching the Single Wing Offense von Jim Ahern
    Winning Single Wing Football von Dr. Ken Keuffel
    The New TCU Spread von Ted Seay
    (Der Internet-Football-Guru Ted Seay bietet seine Playbooks umsonst an.)

    Ich werde auf jeden Fall das Thema "Wildcat" dieses Jahr mit meiner Defense besprechen, denn falls der RB hinter dem Center steht, möchte ich, dass die Jungs wissen was sie erwartet.

    Kommen wir noch mal zum Copy-Cat-Football zurück. Das ist mein Flagteam bei einem 7on7-Hallenturnier im Jahr 2006:


    Sieht aus wie eine "Wildcat", aber ist es eigentlich nicht. Zu Beginn des Jahres 2006 hatte ich die Jugend der Göttingen Generals die TCU Spread von Ted Seay spielen sehen und das hat mir sehr gefallen, also hab ich es übernommen und für Flag Football angepasst.
    Tja, jeder klaut und verändert...das ist der Motor der Evolution im Football. Die "Wildcat" muss einfach in Footballdeutschland auftauchen...